Weitere Einsatzbereiche

Erfolgsgeschichte mit Zukunft

Klimaveränderung, Umweltanomalien und Energieverlusten auf der Spur.

Mit zunehmendem Wissen über Klimaveränderungen und wachsender Einsicht für notwendige Gegenmaßnahmen, gewinnt die luftgestützte Multispektralanalyse mehr und mehr an Bedeutung.

Paris hat als erstes CCP-Mitglied („Cities for Climate Protection“, ein Zusammenschluss der 40 größten Metropolen dieser Welt) beschlossen, die CO2-Emissionen signifikant zu reduzieren und hierfür eine Umweltbestandsaufnahme mit folgenden Schwerpunkten beschlossen:

Thermographie

Von einer fliegenden Plattform aus werden die Energieverluste von Wohn- und Geschäftsgebäuden mittels einer Infrarot-Wärmebildkamera fotografisch festgehalten. Dabei wird die Intensität der Wärmeverluste farblich abgebildet und auf eine patentierte Karte übertragen. Eigentümer von Immobilien sowie Stadtverwaltungen erhalten somit präzise Informationen über Energieverluste, resultierend aus mangelhafter Dach- und Fassadenisolierung, Leckagen in Rohr- und Leitungssystemen, defekte und veraltete Heizanlagen usw.

Die Messflüge erfolgen in 650 Meter über Grund und bei Temperaturen unter Null Grad C. Aus Lärm- und Sicherheitsgründen wurden Messflüge dieser Art mit Helikopter oder Flugzeug nicht genehmigt. Zukünftig könnten diese Flüge eine interessante Einsatznische für den Zeppelin NT werden.

Umweltanomalien

In 2007 trat ein EU-Gesetz in Kraft, wonach jede Kommune verpflichtet ist, ein Altlastenkataster seiner Liegenschaften zu führen. Darunter fallen natürliche Anomalien (z. B. natürliche Radioaktivität), Kampfmittel als Kriegshinterlassenschaft aus zwei Weltkriegen sowie Schwermetallbelastungen unterschiedlichster Herkunft. Bescheinigungen über Altlastenfreiheit sind bei Grundstücksverkäufen Bestandteil des Kaufvertrages. Viele dieser Anomalien lassen sich mit der entsprechenden Sensorik schnell und effizient aus der Luft ermitteln. Somit wären auch solche Flüge in Zukunft eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit für den Zeppelin NT.

Öffentliche Beleuchtung

Die Straßenbeleuchtung kann bis zu 40 % der Stromkosten einer Stadt ausmachen und ist damit verantwortlich für ca. 6 % der CO2-Emissionen. Die Optimierung der Straßenbeleuchtung kann einen wertvollen Beitrag zur Kosten-einsparung und gleichzeitig zur Verbesserung der CO2-Bilanz leisten. Auch die Sicherheit auf den Straßen und in den Wohngebieten würde von einer optimierten Straßenbeleuchtung profitieren, da sowohl die Unfallhäufigkeit als auch die Kriminalitätsstatistik einer Stadt nachweisbar vom Zustand der Straßenbeleuchtung abhängen. Zudem bekäme die Stadtverwaltung einen Überblick über defekte Beleuchtungskörper.

Die Zeppelin Luftschifftechnik und die DZR sind sehr daran interessiert, den Zeppelin NT verstärkt für diese Aufgaben anzubieten – national und europaweit.

Das Deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) war beeindruckt von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Zeppelin NT in der Umwelttechnik und verwies auf folgende Einsatzmöglichkeiten, die mit dem Luftschiff effizienter als mit anderen Plattformen erledigt werden könnten:

  • Gewässerschutz (Ermittlung von Wasserverschmutzung),
  • Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinien (NO², Ozon- und Partikelschadstoffmessungen)
  • Überwachung der Emissionshöchstgrenzen (SO², Ammoniak, flüchtige organische Verbindungen und Stickoxyde)
  • Ermittlung nationaler Emissionsmengen (Berechnungen und Ableitung von Reduktionsmöglichkeiten)
  • Kontrolle des Genfer Luftreinhalteprotokolls (mit Schadstoffmessungen)
  • Erstellung von kommunalen Energie- und Lichtbilanzen

Mit dem Erfolg der Messkampagnen „Zepter 1“ und „2“ im Auftrag des Forschungszentrums Jülich in 2007 und 2008 wurde die Eignung des Zeppelin NT als wissenschaftliche Arbeitsplattform nachhaltig und überzeugend unter Beweis gestellt. Die internationale Forschergemeinde zeigt seither ein stetig wachsendes Interesse am Zeppelin NT. Die ZLT konnte auch über die erforderlichen Entwicklungs- und Zulassungsarbeiten anspruchsvolle Folgeaufträge verbuchen.

In 2012 wurde die Erfolgsgeschichte des fliegenden Labors mit internationaler Beteiligung und mit finanzieller Unterstützung der EU und des BMBF fortgesetzt. Unter Federführung des Forschungszentrums Jülich und im Verbund mit 25 weiteren Instituten aus 15 Ländern startete der Zeppelin NT im Mai 2012 im Rahmen des Europäischen Klimaforschungsprogramms PEGASOS zu zwei mehrwöchigen Messkampagnen in den Niederlanden und Italien. Von Mitte April bis Ende Juni 2013 erfolgte der dritte und vorerst letzte Abschnitt der PEGASOS-Kampagne in Skandinavien mit Schwerpunkt in Finnland.

Im Rahmen des 7.EU-Rahmenprogramms wurde in 2010 mit 19 weiteren Teilnehmern, unter der Konsortialführung der Fa. DCNS (Französische Marinewerft in Toulon) eine Studie gestartet mit dem Akronym I2C. In Anbetracht steigender Bedrohung für den Schiffsverkehr im Mittelmeerraum durch Piraterie und zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Waffen- und Drogenhandel,  sowie zur Abwehr von illegaler Einwanderung aus Afrika, kommt der frühzeitigen Gefahrenerkennung, oft sichtbar an verdächtigen Schiffsbewegungen, eine immer größere Bedeutung zu.

Mit einem Verbund intelligenter Sensorik, eingebaut in die unterschiedlichsten Plattformen (Kriegsschiffe, Aufklärungsflugzeuge, Zeppelin NT, Satelliten und stationäre Radaranlagen) können Gefahren frühzeitig erkannt werden und mit einer effizienten Informationsverarbeitung wird eine schnelle Alarmierung der Interventions-kräften möglich und somit die Gefahren rechtzeitig abgewehrt.

Ausgerüstet mit einem neu entwickelten Seeüberwachungsradar, einem Hoch-leistungskamerasystems und einem maritimen Ortungssystems (AIS) konnte der Zeppelin NT im Sommer 2013 seine Überlegenheit in der Langzeitüberwachung erfolgreich unter Beweis stellen. Mit der zweiten Validierungsphase zur frühzeitigen Erkennung verdächtiger Schiffbewegungen wird im Sommer 2014 die I2C-Studie abgeschlossen. Nach erfolgreicher Bewertung und Akzeptanz durch die EU könnte das I2C-Konzept mittelfristig zur Überwachung des Mittelmeers eingeführt werden.